Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Peter G. Lieser, Prof. Adam Löffler und Tanja Labs
Im Rahmen des Campus Projektes ist im Frühjahr 2005 die Idee zu "Linea continua procedens" entstanden. Auslöser sind die Bäume im Botanischen Garten gewesen, die aus der ganzen Welt kommen und im Schutzraum dieses Gartens angesiedelt sind.
Die große Vielfalt grafischer Spuren der Rinden und Borken dieser Bäume hat als natürlicher Druckstock
für den Hochdruck gedient; gleichzeitig sind sie verbunden mit individueller Handschrift, Linienführungen
als Schnitt im Alltagsmaterial Pappelpressholz, als Drucklinie per Handdruck, eine Conclusio, wobei der
natürliche Druckstock und der individuell verfertigte sich widersprechen, ergänzen,
zugleich aber auch über sich hinauswachsen.
Im Sinne dieses Spannungsverhältnisses sind weitere natürliche Spuren als Konstanten der Arbeit von
Fensterscheiben und Fußböden abgenommen und verwendet worden. Bei der Anfertigung der Drucke über
die 4 Stationen hinweg werden zudem individuell körperliche Spuren im Druck konzeptionell.
"Linea continua procedens" ist über die bisherigen 4 Stationen hinaus gedacht als ein weiterhin im Werden bleibender Prozess.
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Ort: Arborethum im Botanischen Garten, Mainz, Juli 2005
Die verschiedenen Orte der Präsentation, mittelbar auch die zeitlichen Abstände, haben unterschiedliche
Konzeptionen in der Ausführung veranlasst.
Station I ist in der vorliegenden Weise gestaltet worden, um durch die horizontale Ausrichtung der auf dem
Rasen liegenden Druckstöcke, auf die auch Hochdrucke der Rinden und Borken auf Shoi aufgebracht worden
sind, in einfacher und fast beiläufiger Art auf Abstände und Beziehungen zwischen den Bäumen zu verweisen,
als Vorstufe zu den weiteren und weiterführend gedachten Stationen.
Durch die längs verlaufenden Linien im Druckstock wird bereits vorausgedeutet:
Ende und erneuter Anfang natürlichen Lebens.
Da die Horizontale gewählt worden ist, nimmt sie den Absterbeprozess von Bäumen vorweg. Abgestorbene
Bäume, die schließlich umgefallen sind, sind erneut Fundament für Keimlinge, denen das Wachstum in die
Höhe möglich ist. Die 2 Meter hohen und 40 Zentimeter breiten Druckstöcke sind längs mit scharf
konturierten Linien durchmessen und komplementär zum Grün des Rasens rot eingefärbt; die tief liegende,
geschnittene Linie ist kontrastierend hell durch das Pressholz bestimmt.
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Ort: Pavillon im Botanischen Garten, Mainz, Juli 2005
Zur Vertikalen aufgerichtet, werden die Druckstöcke, nun "gewachsen", selbst zum Raum. Vordergründig
parallel verlaufende Linien bilden einen Farbraum, der mit der geometrischen Form des Pavillons korrespondiert.
Die sich reihenden Linien verschmelzen zu sich bewegenden Bändern, deren Wahrnehmung offen und
dem Gedankenfluss des Betrachters überlassen ist.
Gewollt sind dabei durchaus Assoziationen mit innewohnenden Codierungen, wenn sich im Prozess der
Wahrnehmung einzelne oder als Bündel verlaufende Linien einer Anordnung von Dichte und Leere, Wiederholung
oder Einzigartigkeit widersetzen.
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Ort: Gewächshaus Nr.19, Botanischer Garten, Mainz, Juli 2006
Mittig, unter dem First des Gewächshauses steht Installation III, zwei kleine Räume, einer mit der
Lineatur nach außen, oben jeweils im rechten
Winkel fragil verbunden, so dass Einsichten und Durchsichten möglich sind.
Der zweite Raum, der die Lineatur innen hat und an den ersten Raum an einer Ecke anschließt, ist vorn
zur Tür des Gewächshauses hin offen und
zu betreten. Bewirkt durch die Glaswände des Hauses dringt das Grün des Gartens vergraut nach innen.
Auch die Installation befragt durch ihre Anordnung das Innen und Außen.
Die aufgenommenen Spuren des Ortes werden als Hochdrucke von den verschiedenen Fensterscheiben,
geriffelt und glatt, abgenommen, milchig grüngrau in der Farbe des Glases, - Fläche kommt zur Linie hinzu.