Campus-Projekt

2004-07

Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Peter G. Lieser, Prof. Adam Löffler und Tanja Labs

9 | Adam Löffler | Durchgang für die Kastanien

Skizze zu Durchgang für die Kastanien Kastanienallee

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war entlang des Goebel-Wegs eine schmale Kastanienallee gepflanzt worden, eine von 2 parallelen Symmetrieachsen in der relativen Mitte des Gartens, mit jeweils 40 Bäumen in 4 durch Wege unterteilte Gruppen, also insgesamt 160 Pflanzen. Die Kronen waren in etwa 3 Metern Höhe alljährlich auf Form geschnitten worden, sodass die Bäume bei einem mittleren Stammdurchmesser von 20 cm nicht höher als 4 m wurden. Als die im Laufe der Zeit festgestellten Blattkrankheiten und Unregelmässigkeiten im Holzwachstum auch im Zuge einer Neugestaltung des Gartens 2005 zu der Entscheidung führten, die Allee ersatzlos zu beseitigen, entstand meine Idee der Rettung einer gärtnerischen Form, als Erinnerung an Achse, Symmetrie, Durchgang, Perspektive, Schatten etc., wie auch an die Visionen des geduldigen Gärtners, dessen Mühen bisweilen nicht von Erfolg gekrönt werden. Mein erster Entwurf sah vor, die schüttere, noch existierende Allee in eine Pergola zu verwandeln, also jeweils zwei gegenüberliegende Stämme mit einer, über Kopf durch die lebenden Bäume gezapften, hochkantigen Traverse aus Holz so zu verbinden, dass etliche der dadurch gebildeten "Tore" oder Durchgänge nach der Fällung des Ganzen eventuell in Reihe an einem anderen Ort hätten ausgestellt werden können. Das Projekt wurde als zu aufwendig verworfen.

Durchgang für die Kastanien Skizze zu Durchgang für die Kastanien

Botanischer Garten, Goebel-Weg, 2005
Profilstahl verschweisst, 4,10 x 3,50 m;
2 symmetrische Holzlegen
mit je 4 Ster Kastanienrundholz

Bei nochmaliger, genauerer Prüfung der Symmetrie und der Anzahl der Stämme in den vier Baumgruppen der Allee stellte sich heraus, dass einer Gruppe zwei Bäume fehlten. Diese Asymmetrie habe ich als Ausgangspunkt dafür genommen, zunächst diese 2 fehlenden aus haltbarerem Material zu "ersetzen", um sie gleichzeitig in der Idee der alten Pergola symbolisch zum "Durchgang" für alle abgängigen Bäume zu machen, und nach dem Kahlschlag dem Garten ein monumentales Element seiner Gestaltung zurückzugeben. Am neuen Standort des "Durchgangs" sind als Ergänzung 2 Holzlegen geplant, die aus dem gefällten Kastanienholz geschnitten und aufgeschichtet werden sollen.