10 | Katharina Fischborn | linea continua procedens I-III

"Linea continua procedens"

Im Rahmen des Campus Projektes ist im Frühjahr 2005 die Idee zu "Linea continua procedens" entstanden. Auslöser sind die Bäume im Botanischen Garten gewesen, die aus der ganzen Welt kommen und im Schutzraum dieses Gartens angesiedelt sind.

 

Die große Vielfalt grafischer Spuren der Rinden und Borken dieser Bäume hat als natürlicher Druckstock für den Hochdruck gedient; gleichzeitig sind sie verbunden mit individueller Handschrift, Linienführungen als Schnitt im Alltagsmaterial Pappelpressholz, als Drucklinie per Handdruck, eine Conclusio, wobei der natürliche Druckstock und der individuell verfertigte sich widersprechen, ergänzen, zugleich aber auch über sich hinauswachsen.
Im Sinne dieses Spannungsverhältnisses sind weitere natürliche Spuren als Konstanten der Arbeit von Fensterscheiben und Fußböden abgenommen und verwendet worden. Bei der Anfertigung der Drucke über die 4 Stationen hinweg werden zudem individuell körperliche Spuren im Druck konzeptionell.

 

"Linea continua procedens" ist über die bisherigen 4 Stationen hinaus gedacht als ein weiterhin im Werden bleibender Prozess.

Prolog I

Linea continua procedens Linea continua procedens Linea continua procedens


Arborethum im Botanischen Garten, Mainz, Juli 2005

 

Die verschiedenen Orte der Präsentation, mittelbar auch die zeitlichen Abstände, haben unterschiedliche Konzeptionen in der Ausführung veranlasst.
Station I ist in der vorliegenden Weise gestaltet worden, um durch die horizontale Ausrichtung der auf dem Rasen liegenden Druckstöcke, auf die auch Hochdrucke der Rinden und Borken auf Shoi aufgebracht worden sind, in einfacher und fast beiläufiger Art auf Abstände und Beziehungen zwischen den Bäumen zu verweisen, als Vorstufe zu den weiteren und weiterführend gedachten Stationen.
Durch die längs verlaufenden Linien im Druckstock wird bereits vorausgedeutet:
Ende und erneuter Anfang natürlichen Lebens.
Da die Horizontale gewählt worden ist, nimmt sie den Absterbeprozess von Bäumen vorweg. Abgestorbene Bäume, die schließlich umgefallen sind, sind erneut Fundament für Keimlinge, denen das Wachstum in die Höhe möglich ist. Die 2 Meter hohen und 40 Zentimeter breiten Druckstöcke sind längs mit scharf konturierten Linien durchmessen und komplementär zum Grün des Rasens rot eingefärbt; die tief liegende, geschnittene Linie ist kontrastierend hell durch das Pressholz bestimmt.

Prolog II

Linea continua procedens
Linea continua procedens Linea continua procedens



Pavillon im Botanischen Garten, Mainz, Juli 2005

 

Zur Vertikalen aufgerichtet, werden die Druckstöcke, nun "gewachsen", selbst zum Raum. Vordergründig parallel verlaufende Linien bilden einen Farbraum, der mit der geometrischen Form des Pavillons korrespondiert. Die sich reihenden Linien verschmelzen zu sich bewegenden Bändern, deren Wahrnehmung offen und dem Gedankenfluss des Betrachters überlassen ist.
Gewollt sind dabei durchaus Assoziationen mit innewohnenden Codierungen, wenn sich im Prozess der Wahrnehmung einzelne oder als Bündel verlaufende Linien einer Anordnung von Dichte und Leere, Wiederholung oder Einzigartigkeit widersetzen.

Preview

Linea continua procedens Linea continua procedens
Linea continua procedens
Linea continua procedensLinea continua procedens  

 

 

Gewächshaus Nr.19, Botanischer Garten, Mainz, Juli 2006

 

Mittig, unter dem First des Gewächshauses steht Installation III, zwei kleine Räume, einer mit der Lineatur nach außen, oben jeweils im rechten Winkel fragil verbunden, so dass Einsichten und Durchsichten möglich sind.
Der zweite Raum, der die Lineatur innen hat und an den ersten Raum an einer Ecke anschließt, ist vorn zur Tür des Gewächshauses hin offen und zu betreten. Bewirkt durch die Glaswände des Hauses dringt das Grün des Gartens vergraut nach innen. Auch die Installation befragt durch ihre Anordnung das Innen und Außen.
Die aufgenommenen Spuren des Ortes werden als Hochdrucke von den verschiedenen Fensterscheiben, geriffelt und glatt, abgenommen, milchig grüngrau in der Farbe des Glases, - Fläche kommt zur Linie hinzu.

Katharina Fischborn

Katharina Fischborn

geboren 1948 in Bingen am Rhein

 

Studium der Freien Bildenden Kunst an der Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg- Universität Mainz von 1999-2004 mit dem Schwerpunkt Zeichnung bei Prof. Dieter Brembs
Diplom im April 2004 / Meisterschülerin bei Prof. Peter Lieser, Okt.2004- März 2006 / Abschluß im Vertiefungsstudium: März 2004 / Ernennung zur Mainzer Stadtdruckerin 2006/07: Mai 2006
Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland seit 2001

 

Schwerpunkte der künstlerischen Arbeit | Die Arbeiten weisen bereits im Titel auf das Grundelement, die Linie, hin, das meine Arbeit durchdringt und für mich nicht nur ein mechanischer Prozess, sondern immer auch Ausdruck der inneren Freiheit oder Gebundenheit ist. Mit Zeichnungen, Hochdrucken, grafi schen Plastiken und Installationen stelle ich Fragen nach Stillstand und Bewegung, Gradlinigkeit und Richtungswechsel, Begrenztheit und Öffnung.

 

Kontakt | Homepage | www.katharina-fischborn.de | E-Mail | katharina@freylinart.de